Neues Trail-Video: Walking with Angels


An einem verregneten Nachmittag in einer einsamen Wandererunterkunft in Ramot Naftali bekam ich überraschend Besuch: Lynne war ein Filmemacher aus Pennsylvania und wanderte den Israel National Trail in umgekehrter Richtung – von Norden nach Süden. Er war schon durch ganz Amerika gelaufen, hatte den Appalachian Trail, den Pacific Crest Trail und den Continental Divide Trail geschafft, jeder von ihnen mehrere Tausend Kilometer lang. Aber das war viele Jahr her. Jetzt war Lynne sechzig und hatte Rücken. Er fragte sich, ob er den Israel-Trail überhaupt noch schaffen würde.

Es war schon sein zweiter Versuch. Den ersten hatte er ein Jahr zuvor unternommen. Schon am Ben-Gurion-Flughafen kam er sich verloren vor. Nie zuvor war Lynne ins Ausland gereist. Er hatte Schwierigkeiten, sich zu orientieren. Erst mitten in der Nacht erreichte er schließlich das nördliche Ende des Israel-Trails in Kiryat Shmona, und da er kein Hotel reserviert hatte, legte er sich zum Schlafen auf eine Parkbank. Er war noch immer im Jetlag, war vierzig Stunden auf den Beinen gewesen und konnte einfach nicht mehr. Eine Hitzewelle hielt damals das Land im Griff, aber Lynne wanderte trotzdem los, und er trank zu wenig. Beinahe wäre er wegen Dehydrierung zusammengebrochen. Schon nach ein paar Tagen warf er das Handtuch und brach seine Wanderung ab.

Doch der Israel National Trail ließ ihn nicht los. Lynne unternahm einen zweiten Anlauf, und wieder spielte ihm das Wetter übel mit. Statt Hitze und Trockenheit setzten ihm diesmal Kälte und Nässe zu. Nach nicht einmal zwei Kilometern beendete er seine erste Tagesetappe und klopfte einfach an eine Haustür in Ramot Naftali. Eine nette Seele brachte ihn in die Wandererunterkunft. „Ich muss den Anfang wiederfinden“, sagte Lynne, während er eine Folie ausbreitete und seinen Rucksack auspackte. „Der Anfang ist wichtig. Wenn ich gleich in den ersten Tagen hinfalle oder stecken bleibe, dann wird das wieder nichts.“

Lynne fand seinen Tritt wieder. Später erfuhr ich, dass er den Trail geschafft hatte, und zwar in sieben Wochen. Das war ganz schön flott. Lynne, ein evangelikaler Christ, mailte mir: „Gott selbst bestimmte jeden meiner Schritte.“

Von seinem Leiden auf dem Israel-Trail und den Begegnungen mit den trail angels erzählt Lynne in seinem Dokumentarfilm „Walking with Angels“ auf Vimeo.

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