Wandern begeistert mich seit meiner Jugend. Ich war oft in Norwegen und Schweden unterwegs, auch einmal im Himalaja, und habe die Pyrenäen auf voller Länge durchwandert, vom Atlantik zum Mittelmeer. Mein Rucksack, ein Cerro Torre von Lowe, begleitet mich, seit ich sechzehn wurde.

Ich bin 1974 geboren worden und in Halle (Westfalen) aufgewachsen. Nach einer Fotografenausbildung in Hamburg und einem Studium der Politikwissenschaft in Berlin, Lyon und Durham/North Carolina arbeite ich seit 2004 als Politikredakteur bei der F.A.Z. Ich lebe mit meiner Frau und unserer Tochter in Frankfurt am Main. 2012 habe ich ein Sabbatical genommen, um zu reisen. Nach einer dreimonatigen Rucksacktour durch Zentralamerika bin ich den Israel National Trail gewandert.

Kein anderes Land, das ich kenne, ist so verrückt wie Israel. Und so faszinierend. Dass ich wiederkommen würde, war schon nach meinem ersten Besuch klar. Im Dezember 2006 war ich mit einer Gruppe Journalisten dort. Wir pendelten zwischen Israel und dem besetzten Westjordanland. In Jerusalem diskutierten wir mit dem stellvertretenden Verteidigungsminister, in Ramallah trafen wir ranghohe Hamas-Politiker. Durch Hebron führten uns ehemalige Soldaten, die die Besatzung ablehnten. In Tel Aviv hörten wir die Geschichte einer jungen jüdischen Frau, die einen Bombenanschlag überlebt hatte und trotzdem keine Rachegefühle verspürte. Jede Begegnung führte uns in eine andere Welt, jede Erkenntnis warf neue Fragen auf. Zehn Tage hatten damals bei Weitem nicht gereicht, um sie zu beantworten. Deshalb wollte ich wiederkommen. Und welchen kürzeren Weg gibt es denn, ein Land kennenzulernen, als es zu durchwandern?