• Unter Engeln und Wasserdieben
  • Tausend Kilometer auf dem Israel National Trail
  • DuMont Reiseverlag 2015
  • 312 Seiten
  • ISBN 9783770182718
  • 14,99 € / E-Book 12,99 €
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In meinem Buch erzähle ich von der Wanderung durch ein extremes Land, von Wüste, Durst und Wasserdieben, von Pilgern und Panzern. Immer wieder begleite ich junge israelische Wanderer, die mich an ihrem Leben teilhaben lassen. Ich lerne vom ständigen Kampf zwischen Säkularen und Religiösen, von den hohen Lebenshaltungskosten und den Problemen der Minderheiten, die in Israel leben.

Wer mit dem Gedanken spielt, selbst den Israel National Trail zu wandern, wird in meinem Buch viele Informationen finden über die Orte entlang des Weges und ihre Geschichte, über den Trail und die trail angels - hilfsbereite Israelis, die Wanderer zu sich nach Hause einladen. Diese Geschichten tauchen in keinem Reiseführer auf.

Aus dem Inhalt

Wasserdiebe in der Wüste

Mir war klar, dass ich in der Wüste nicht so viel Wasser tragen konnte, wie ich trinken musste. Also habe ich vor der Wanderung Wasserdepots angelegt. Die Angst, dass sie geplündert werden, reist immer mit. Kurz vor dem Ende der vierhundert Kilometer langen Strecke durch die Wüste kommt es tatsächlich zu einer Begegnung mit den Wasserdieben, vor denen ich oft gewarnt wurde.

Trail angels

Immer wieder nehmen mich hilfsbereite Israelis entlang des Weges bei sich zuhause auf: die trail angels. So komme ich nach tagelanger Wüstenwanderung an eine Dusche, ein herzhaftes Essen, ein kühles Bier. Und ich erfahre immer wieder, was die Menschen bewegt, jenseits von Politik und Diplomatie.

Meditieren im Militärgebiet

Die Wüste zieht auch Hippies an. In Shitim haben Anhänger von Osho, der in den Siebziger- und Achtzigerjahren als Bhagwan aufgetreten war, einen Ashram gegründet. Er liegt mitten in einem militärischen Übungsgelände. Ich übernachte dort und melde mich zur Meditation. Mal sehen, ob mich die Erleuchtung küsst.

Gemeinsam schweigen

Neot Semadar heißt ein Kibbuz in der Wüste, in dem die Menschen dauernd schweigen. Ich helfe bei der Feldarbeit und lerne, warum das Judentum verlangt, junge Aprikosen in den Dreck zu werfen.

Flashmob für den Glauben

In Mizpe Ramon, einem Städtchen am Rand des Ramon-Kraters, hält ein klappriger weißer Kleinbus. Langhaarige Religiöse springen heraus, klettern aufs Dach und tanzen zu lauter, hebräisch betexteter Reggae-Musik. Man muss etwas weiter in die Geschichte zurückblicken, um zu verstehen, was die „Na-Nachs“ umtreibt, für die Tanzen und Fröhlichsein zur religiösen Pflicht gehört.

Schweine auf heiligem Boden

Das Schwein gilt im Judentum als dreckig und unheilig, es ist der Inbegriff des Unkoscheren. Deshalb ist es in Israel eigentlich verboten, Schweine zu halten. Im Kibbuz Lahav geschieht das trotzdem. Darüber kursiert eine wilde Geschichte: Um das Verbot zu umgehen, habe man sich einen Trick einfallen lassen. Was schon in vielen Zeitungen stand, entpuppt sich aber als Missverständnis.

Berlin und die Milky-Debatte

Immer wieder protestieren vor allem junge Israelis gegen die hohen Lebenshaltungskosten in ihrem Land, immer wieder versprechen Politiker Besserung, und immer wieder werden die Menschen enttäuscht. Die vorerst letzte große Protestwelle kam aus Deutschland – und hatte mit einem Schokoladenpudding von Aldi zu tun.

Aufstieg ins Judentum

Die Einwanderung ins Heilige Land heißt auf Hebräisch „Aufstieg“. Ein Konvertit aus Deutschland erzählt mir von seinem Übertritt zum jüdischen Glauben, der jahrelangen Vorbereitung und seinem Neuanfang in Israel.

Im Niemandsland

Das Tal von Latrun war einer der am stärksten umkämpften Orte in den israelisch-arabischen Kriegen. Israel hat es 1967 besetzt, aber nie offiziell annektiert. In Latrun befindet sich heute ein Militärmuseum, in dem Familien auf Panzern herumturnen. Wie so oft im Nahen Osten ist der Ort des jüdischen Sieges ein Ort der arabischen Niederlage.

Unter Ultraorthodoxen

Religiöse und Nichtreligiöse streiten in Israel oft. Die Säkularen werfen den Ultraorthodoxen vor, dass sie dem Staat auf der Tasche lägen und keine Steuern zahlten. Dass sie nicht zur Armee gingen und andere die Drecksarbeit machen ließen. Ich will die Meinung eines Strenggläubigen dazu hören und besuche Hezekiel in seinem Haus nahe Jerusalem. Seine Verteidigung wird zum Gegenangriff.

Koscher oder superkoscher?

Der Kibbuz Ga'ash gehört zu den schönsten in Israel. Er liegt nahe Tel Aviv am Meer. Ich darf dort übernachten und mache eine Entdeckung: Im Kuhstall des Kibbuz sind Kameras montiert, mit denen der zuständige Rabbiner die Milchproduktion am Schabbat überwacht. Der Grund dafür: Koscher ist nicht gleich koscher.

Radikale Siedler

Neve Shalom (Oase des Friedens) heißt ein Dorf, in dem Juden und Palästinenser gemeinsam leben. Es ist in aller Welt bekannt und wurde schon mehrmals für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Deshalb ist Neve Shalom Opfer einer „Preisschild“-Aktion geworden, eines Überfalls rechtsradikaler Siedler.

Von Täufern und Verkäufern

Christen aus aller Welt besuchen die Taufstelle Yardenit und tauchen im Jordan unter. Was sie dort nicht sehen: Nur ein paar hundert Meter weiter endet der Fluss vorerst an einem Damm. Dort wird auch noch der letzte Tropfen Wasser abgepumpt. Israel ist durstig, der Bedarf an Trinkwasser stark gestiegen.

Nur für Eingeweihte

In dem Städtchen Isfiya, hoch oben im Karmel-Gebirge, bekomme ich eine Einführung in den Glauben der Drusen, einer verschworenen Gemeinschaft, die sich im 11. Jahrhundert vom Islam abgespalten hat. Diese Religion ist nur für wenige Eingeweihte, Verschwiegenheit ist oberstes Gebot, und wer nicht nach den Regeln spielt, wird ausgestoßen.

Gegen die Armut

Jisr az-Zarqa ist ein arabisches Dorf in Israel – und eines der ärmsten. Ein ungewöhnliches Paar will das ändern. Ahmad, ein muslimischer Geschäftsmann, und Neta, eine jüdische Rechtsanwältin, haben das erste Hostel im Ort gegründet. Aber Juha's Guesthouse ist viel mehr als nur ein Hostel. Foto: Juha's Guesthouse

Hochzeit mit Rabbi

Auf einem Abstecher nach Haifa lerne ich Moran und Atalya kennen. Die beiden wollen heiraten, sind aber nicht religiös. Allerdings müssen in Israel alle Ehen vor einem orthodoxen Rabbiner geschlossen werden. Wie viele andere junge Israelis hadern Moran und Atalya damit, dass sie sich jahrtausendealten religiösen Regeln unterwerfen sollen, die sie noch dazu für frauenfeindlich halten. Aber am Ende kommt alles anders.

Der Rekordhalter

In Ramot Naftali treffe ich den israelischen Abenteuerläufer Carlos Goldberg. 2007 ist er den Israel National Trail in 12 Tagen, 13 Stunden und 37 Minuten gelaufen – ein bis heute nicht unterbotener Rekord. Carlos erzählt mir, dass er das Laufen schon aufgeben wollte, bevor es ihn so richtig packte. Er berichtet von seinem harten Training und der psychologischen Vorbereitung. Und von einem überraschend aufgetauchten Helfer, ohne den er wohl gescheitert wäre. Foto: Archiv Carlos Goldberg

Der Herausforderer

Während ich durch die Negev-Wüste wandere, versucht sich der australische Ultramarathonläufer Richard Bowles an einem neuen Rekord: Er will den Israel National Trail in zwölf Tagen rennen, und zwar die neue, längere Route. Aber Bowles, der schon etliche viel längere Trails gelaufen war, hat die Schwierigkeiten unterschätzt und muss aufgeben. Merkwürdig ist bloß, was später so alles auf seiner Website zu lesen sein wird.

Außerdem...

Warum mich ein Wanderer mit Pistole vor Beduinen warnt. Warum in Israel schon Schüler in militärischen Lagern schießen lernen. Und warum sich ein Trappistenkloster auf halbem Weg zwischen Tel Aviv und Jerusalem mit Stacheldraht und Schäferhunden schützt.