Wenn man nicht gerade in Kriegszeiten reist: nein. Wenn Raketen fliegen, Sirenen heulen und die Menschen Schutzräume aufsuchen, ist es bestimmt keine gute Idee, ungeschützt draußen unterwegs zu sein, jedenfalls nicht in den Gebieten nahe dem Gazastreifen oder der libanesischen Grenze. Aber dass Krieg herrscht, bekommt man ja vorher mit. Zu anderen Zeiten fand ich Israel nicht gefährlicher als andere Länder, im Gegenteil: Ich habe mich ausgesprochen sicher gefühlt.

Die größte Gefahr in der Wüste geht von Dehydrierung aus und lässt sich durch gute Planung, Wandererfahrung und eine Prise Demut leicht in den Griff bekommen. In der Nähe von Beduinensiedlungen können einem große Hunde gelegentlich Respekt einflößen. Mit Taschendieben muss man in Tel Aviv und Jerusalem wie in allen anderen großen Städten rechnen. Aber dass man als Tourist in Israel Opfer eines Anschlags wird, ist unwahrscheinlich.

Auf dem Weg durch die Negev-Wüste liegen je nach Routenplanung zehn bis dreizehn Nachtlager ohne Trinkwasser. Es gibt sechs Möglichkeiten, die Versorgung dort zu organisieren:

1. Wasser liefern lassen – Unternehmen wie Haim Berger oder Waterdrop bieten an, jeden Abend einen Geländewagen ins Nachtlager zu schicken. Der Wagen bringt Wasser und Proviant, den der Kunde vorher gekauft und bei dem Anbieter deponiert hat. Verfügbar für jedes Nachtlager zwischen Eilat und Arad. Es ist aber die teuerste Variante – pro Fahrt berechnet Haim 650 NIS (150 Euro) – und damit eher was für Gruppen. Bis zu 15 Personen können sich die Kosten teilen. Weitere Anbieter finden sich hier.

2. Water caching trips – Man mietet einen Geländewagen mit Fahrer. Der bringt einen vor Beginn der Wanderung zu allen Nachtlagern, die in der Wüste liegen, wo man Wasserflaschen und eventuell Proviant an selbst ausgesuchten Plätzen vergräbt. Auch dieser Service ist nicht gerade günstig, er kostet 450 NIS (105 Euro) pro Lager, wobei der Wagen laut Haim zwischen sechs und zwölf Lagern pro Tag ansteuern kann. Nach meiner Erfahrung wären zwölf Lager an einem Tag nicht zu schaffen, man muss also mit zwei Tagen kalkulieren. Bis zu sechs Wanderer können mitfahren und die Kosten teilen. Das bringt aber nichts, wenn man allein oder zu zweit wandern will.

3. Water caching service – Man bestellt (gegen Vorkasse) die benötigte Menge Wasser bei einem kommerziellen Anbieter. Der unterhält Wasserdepots an den Nachtlagern, die er regelmäßig mit Flaschen befüllt. Sechs Liter Wasser kosten bei Haim Berger 120 NIS (28 Euro), acht Liter 140 NIS (32 Euro). Wer Wasser an sechs Standorten bestellt, bekommt drei weitere gratis dazu. Diese Option ist vor allem für Einzelwanderer interessant. Es ist auch die Variante, die die meisten Israelis wählen. Neuerdings verschickt Haim die Wegbeschreibungen auch auf Englisch; dazu gibt es Fotos und Links auf Google Maps. Am liebsten kommuniziert er über What‘s App. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte ihn vor der Wanderung in seinem Büro in Midreshet Ben Gurion besuchen (das liegt in der Wüste zwischen Be'er Sheva und Mitzpe Ramon) und sich die Verstecke erklären lassen.

4. Wasser selbst verstecken – Ich persönlich verstecke mein Wasser lieber selbst, weil ich das Versteck dann mit Sicherheit wiederfinden werde. Viele Nachtlager am Israel National Trail liegen in der Nähe einer Straße. Diese Orte kann man vor der Wanderung mit einem Mietwagen anfahren – und sich so auch die Busfahrt von Tel Aviv nach Eilat sparen, wenn man den Wagen dort zurück gibt. Das habe ich getan und in meinem Buch beschrieben. Bis zu acht Nachtlager lassen sich so abdecken. Startet man frühmorgens in Tel Aviv und beeilt sich, kann man am Abend in Eilat sein. Allerdings lassen sich manche Nachtlager nur mit einem Geländewagen erreichen: Gev Holit, Hava Night Camp und Mador Night Camp. Auf diesen Etappen muss man entweder einen professionellen caching service (siehe oben) in Anspruch nehmen oder das Wasser selbst tragen (siehe unten). Zudem ist Wasserdiebstahl ein ernstzunehmendes Problem, wie ich in meinem Buch ausführlich beschreibe.

5. Schleppen – Das ist die billigste und organisatorisch einfachste Variante. Man muss dafür aber Umwege in Kauf nehmen, um den Wasservorrat aufzufüllen, und manchmal trotzdem Wasser für bis zu drei Tage tragen. Rechnet man für den ersten und dritten Tag vier Liter, für den zweiten sechs, wären das 14 Extra-Kilo im Rucksack. Und das kann – je nach Reisezeit und Wetter – noch knapp kalkuliert sein. Wen das nicht abschreckt, der findet in dem sehr informativen Blogbeitrag von Thorsten Hörbrand weitere Informationen.

6. All inclusive hiking - Unternehmen wie Negev Trek schnüren Euch ein Komplettpaket. Sie organisieren Verpflegung, Unterkünfte, Landkarten, Zubringerdienste, Campingausrüstung und sogar den Gepäcktransport von einem Nachtlager ins nächste. Eine interessante Option für alle, die wenig Zeit zum Planen haben oder an eine konventionelle Israel-Reise noch ein paar Wandertage auf dem Israel National Trail anhängen wollen. Aber mal ehrlich: Wo bleibt denn da das Abenteuer?

Dehydrierung durch Wassermangel dürfte die größte Gefahr sein, die in der Wüste droht. Wie viel Wasser man mitnehmen sollte hängt natürlich stark vom Wetter und von anderen Umständen ab. Ich bin im Frühjahr bei Temperaturen von bis zu 40 Grad mit sechs Litern am Tag gut ausgekommen. Eingerechnet ist das Wasser, das ich morgens und abends zum Frischmachen verbrauche. Andere halten mich für verrückt und würden mehr mitnehmen oder einplanen, mindestens acht Liter.

Das Wasser transportiert man am sichersten in kleinen Gefäßen. Eine Trinkblase mit zwei Litern Volumen ist besser als eine mit drei Litern, und drei Wasserflaschen zu je zwei Litern sind besser als ein Sechs-Liter-Wassersack. Geht das Wasser aus einem dieser Gefäße verloren (Loch, Flasche fällt um), lässt sich der Verlust leichter verschmerzen.

In Israel werden gerne Gaskocher verwendet. Es gibt Stechkartuschen wie Schraubkartuschen, wobei letztere weiter verbreitet zu sein scheinen. Sie sind auch deshalb zu empfehlen, weil sie sich zum Verpacken abschrauben lassen.

Da ihr keine Gaskartuschen im Flugzeug transportieren dürft, müsst ihr nach der Ankunft welche besorgen. In Tel Aviv kauft man (Schraub-)kartuschen am besten bei Rikoshet im Azrieli Center (eine große Shoppingmall). Rikoshet ist neben Lametayel eine der zwei bekannten israelischen Outdoor-Ketten. Die Filiale von Lametayel im Dizengoff Center liegt zwar näher am Stadtzentrum, aber ich habe dort kein Gas bekommen. Es hieß, es sei nicht gestattet, in diesem Einkaufszentrum brennbare Güter zu verkaufen.

In Eilat gibt es eine Rikoshet-Filiale in der BIG-Mall. Ihr könnt dort vorher anrufen (+972-8-6339938) und eine Gaskartusche zurücklegen lassen. Oft gibt es Kartuschen auch an Tankstellen oder Kiosken. Außerdem habe ich Schraubkartuschen in dem Lebensmittelgeschäft im Zentrum von Sapir gesehen.

Zelt oder nicht? Unter Ultralight-Freaks gilt es als überflüssig, gar verpönt. Und auch die meisten Israelis, die ich unterwegs kennengelernt habe, hatten keines dabei.

Ich hatte ein sehr leichtes Zelt eingepackt, das weniger als ein Kilo wiegt. In der Wüste hat es mich manchmal gegen unangenehm scharfen Wind geschützt, im Norden Israels auch vor Regen. Allerdings kann ich für die Wüste nur ein Zelt empfehlen, bei dem sich das Innenzelt separat aufstellen lässt, um es in heißen Nächten als einfaches Moskitonetz einzusetzen.

Allen anderen, die ohne Zelt laufen wollen, empfehle ich eine nicht zu knapp bemessene Zeltplane als Unterlage. Sie hält die Ausrüstung (vor allem den Schlafsack) sauber und trocken. Regnet es wider Erwarten doch einmal, was auch in der Wüste vorkommt, kann man sich mitsamt dem Schlafsack in dieser Plane einwickeln. Ich habe einmal im Oktober im Negev erlebt, wie ein stabiles sonniges Wetter umgeschlagen ist und es heftig regnete und gewitterte. Der Wetterbericht hatte nichts davon vorhergesehen.

Es gibt derzeit nur einen englischen Wanderführer für den Israel National Trail. Und der enthält die einzigen verfügbaren englischen Landkarten. Deshalb ist das „rote Buch“ („Israel National Trail“ von Jacob Saar und Yagil Henkin) für ausländische Wanderer wohl alternativlos – trotz seines hohen Preises und einiger Schwächen. Meine Rezension der dritten Auflage findet sich hier.